Weinwissen - Orts- und Lagenweine

Die verschiedenen Schieferböden sind unser großes Plus, denn unsere überwiegend wurzelechten, zum Teil über 100 Jahre alten Rebstöcke wachsen in Rot-, Blau- und Grauschieferböden.

 

Auf Rotschiefer wächst unser Ürziger Würzgarten. Die bänderartige Formation erinnert an Schiefer, heißt aber korrekt "Rotliegend" und hat ihre Rotfärbung von feinverteilten Hämatit-Schüppchen. Auch bei "Rotliegend" wird die Wärme gespeichert und nachts an die Reben abgegeben. Die Rieslinge haben einen sehr eigenständigen, starken Charakter; das Geschmacksbild ist geprägt von frischen und getrockneten Kräutern.

Auf Blauschiefer wächst unser Erdener Treppchen. Blauschiefer fühlt sich am wohlsten in den Gebieten Mosel, Saar, Ruwer, Mittelrhein und unteres Rheingau. Dieser Schiefer ist durch seine geschichtete Struktur besonders luft- und wasserdurchlässig. Er speichert die Tageswärme unglaublich gut und gibt sie in den Nachtstunden an die Reben zurück. Die Kargheit des Blauschiefer bringt besonders feinfruchtige Rieslinge mit viel Mineralität hervor und zeichnet sich durch lange Haltbarkeit aus. Im Geschmack finden sich u.a. Apfel, Zitrusfrüchte und Pfirsich.

Auf Grauschiefer wächst unser Erdener Prälat. Grauschiefer ist ein geschätzter Bodenanteil, der genau wie seine nahen Verwandten Rot- und Blauschiefer die tagsüber gespeicherte Wärme nachts gleichmäßig an die Reben wieder abgibt. Meist sind es Bodenkompositionen aus unterschiedlichen Schieferarten, die die Topologie der verschiedenen Lagen prägen. Diese Weine zeichnen sich durch eine frische Säure und ein ausgewogenes Bukett aus.

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Ürziger Würzgarten
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Erdener Treppchen
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Erdener Prälat

Unsere einzigartigen Rieslinge verkörpern die besonderen Lageneigenschaften der verschiedenen Schieferböden.

Ortsweine sind die geheimen Champions bei den Weingütern, die eine herkunftsbezogene Klassifikation für ihre Weine nutzen.  

Das unterschätzte Thema der Orts- und Lagenweine – im „Mittelbau“ der VDP-Pyramide angesiedelt – hat viel mehr Potenzial als gemeinhin bekannt. Das gute Preis-Leistungsverhältnis bei den meist soliden Lagerzeiten sprechen auch dafür, den Weinkeller mit Orts- und Lagenweinen zu ergänzen. Also viel Spaß bei der Weinverkostung zu Hause – mit Freunden, Verwandten oder einfach zu zweit. 

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Zur Geschichte 

1855 veröffentlichte der Naturwissenschaftler Jules Lavalle die „Histoire et Statistique de la Vigne des Grands Vins de la Côte d’Or“. Lavalle fasste darin das historisch gewachsene Wissen zusammen, untermauerte es durch entsprechende statistische Daten und schuf das Cru-System für Burgund – Terroir als exakte Wissenschaft.  

Das Prinzip war im Grunde einfach. Je genauer definiert die Herkunft eines Weines ist, desto mehr galt er. Der Wein aus einer fest umrissenen Region sollte besser und vor allen Dingen auch typischer sein als ein Wein „an der Straße“; ein Wein, der ein Dorf als Herkunft im Namen trug, besser als ein einfacher Landwein – bis hin zu den Spitzenweinen als Grand Cru bzw. in Deutschland als GG. Das Konzept war in seinen Grundzügen so einleuchtend und vor allem auch für den Konsumenten so simpel und gut verständlich, dass es sich schnell durchsetzte – trotz der unübersichtlichen Vielfalt der Einzellagen. 

In Deutschland verstand man sehr schnell, dass sich das Cru-System aus dem Burgund perfekt auf die deutschen Weinanbaugebiete übertragen ließ. Es war aber weniger die weinbauliche Erkenntnis, dass in Cold-Climate-Gebieten die Lage besonders wichtig ist, als vielmehr das preußische Finanzamt. Es hatte nämlich verstanden, dass für bessere Lagen mehr Geld bezahlt wurde und man diese daher auch höher besteuern konnte. Mit preußischer Effizienz wurden also Kartografen losgeschickt und die Steilhänge in den Blick genommen. Aus dieser Zeit stammen sehr detaillierte Weinbergkarten, wo neben allgemeinen Weinbergen die guten und die besonders guten farblich hervorgehoben wurden. Die großen deutschen Lagen-Weine traten damit auch einen internationalen Siegeszug an und selbst in Paris waren sie Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Weinkarten der Top-Hotels zu finden. Weinfreunden waren damals zum Beispiel Schwarzhofberger, Idig, Deidesheimer, Kaseler oder Kiedricher ein Begriff und sehr wohl bekannt.  

Springen wir aus der Vergangenheit in das Jetzt. Das Terroir spielt wieder die Rolle, die ihm gebührt, und es ist klar, dass eine Große Lage und eine Großlage nur ein kleiner semantischer, aber ein großer geschmacklicher Unterschied ist. Jedem Weinfreund ist aber auch bewusst, dass ein Großes Gewächs die Spitze des deutschen Weinbaus darstellt. 

Aber Ortsweine? Vielleicht gelingt die Übersetzung des klangvollen „Village“ ins Deutsche nicht so einfach. 

Was einst für die Weine aus dem Burgund galt, gilt heute erst recht für die Weine aus Deutschland. Bei vielen Winzern sind die Weine mit Ortsnamen darauf ein regelrechtes Schnäppchen! Ein Wachenheimer oder ein Brauneberger oder ein Erdener oder ein Kaseler – wie sie auch allen heißen – kommen bei den Top-Erzeugern aus Toplagen und werden mit viel Liebe und Aufmerksamkeit erzeugt. 

Wer Wein aus Genuss trinkt, sollte sich den Keller randvoll machen mit Orts- und Lagenweinen der deutschen Spitzenweingüter. In vielen Fällen kann man sofort Spaß daran haben, aber in jedem Fall in ein paar Jahren. Der finanzielle Einsatz ist überschaubar und man muss nicht lange überlegen, ob Gelegenheit, Menüfolge und Reifezeitpunkt perfekt sind. 

Irgendwann wird sich die internationale Weinwelt auch an deutsche „Ö“s und „ch“s gewöhnt haben und dann werden die Ortsnamen in den Bars in New York und Paris so sexy klingen, wie die Weine schmecken. Aber bis dahin werden die Weingenießer, die es früher und besser wussten, viel Spaß haben. Also mehr „Villages Allemandes“ in die Keller und auf den Tisch. 

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